Veranstaltungen

Die nächste Tagung der Forschungsgemeinschaft Rekonstruktive Fremdsprachenforschung findet am 25. & 26. Juni 2020 in Marburg/Lahn statt.

Den Call for Papers finden Sie hier als PDF.
(Frist zur Einreichung: 31. Januar 2020).


Call for Papers

Das Anliegen

Das aktuelle Interesse an praxeologischer Forschung in der Fremdsprachendidaktik lässt aufhorchen. In Deutschland erfreut sich insbesondere die wissenssoziologisch-rekonstruktive Forschung mit der Dokumentarischen Methode (vgl. Bohnsack 2014, 2017) einer wachsenden Beliebtheit: Nach lediglich drei Dissertationen im Zeitraum 2004 bis 2014 unter Nutzung der Dokumentarischen Methode vervielfacht sich seit 2015 die Zahl der abgeschlossenen oder kurz vor dem Abschluss stehenden Dissertationen plötzlich. Der vor knapp zwanzig Jahren verkündete practice turn (vgl. Schatzki & Knorr Cetina 2001) in den Geistes- und Sozialwissenschaften scheint in der deutschen Fremdsprachenforschung angekommen zu sein. So führen beispielsweise auch die Handbücher von Caspari et al. (2016) sowie Doff (2012) die entsprechenden Erhebungs- und Analyseverfahren erstmals dezidiert auch als Instrumente der Disziplin auf, insbesondere die Dokumentarische Methode wird dann auch für die Fremdsprachenforschung methodologisch diskutiert und für bestimmte Gegenstände ins Spiel gebracht (vgl. z.B. Bonnet 2012, Tesch 2019). Der Blick praxeologischer Fremdsprachen­forschung richtet sich dabei u.a. auf Praktiken der Verständigung von Lernenden und Lehrenden in Mikroprozessen und Handlungsroutinen bzw. Interaktionsprozessen des Fremdsprachen­unterrichts, rekonstruiert aber auch Orientierungen hinsichtlich der Professionalität und Professionalisierung von Fremdsprachenlehrkräften sowie lernerbiografische Orientierungsmuster.

Dabei gibt es weiterhin zahlreiche offene Fragen: Was genau ist unter praxeologischer und rekonstruktiver Fremdsprachenforschung zu verstehen? Welche Rolle spielt innerhalb des praxeologischen Forschungsparadigmas die Dokumentarische Methode? Welche anderen Ansätze der praxeologischen Theoriefamilie (z.B. konversationsanalytische, ethnografische, strukturtheoretische, objektiv-hermeneutische) werden angewandt? Wie wirkt sich das Spezifikum des Gebrauchs einer fremden Sprache auf die Verständigungspraktiken im Fremdsprachenunterricht aus und wie lassen sich diese rekonstruieren? Wie lassen sich die Phänomene kategorial und typologisch fassen? Welche Forschungsperspektiven eröffnen sich in diesem Kontext in der nahen Zukunft? Und welche Relevanz haben die Erkenntnisse einer praxeologischen Fremdsprachenforschung für die fach­bezogene Unterrichtsforschung, Methodik, Fachdidaktik und Lehrer/innenbildung?

Auf diese und andere Fragen möchte die Forschungsgemeinschaft Rekonstruktive Fremdsprachen­forschung Antworten finden. Neben gemeinsamen Forschungsvorhaben – insbesondere auch im Hinblick auf Nachwuchsförderung – findet der Austausch einmal pro Jahr in einer Fachtagung sowie regelmäßigen Werkstatttreffen in kürzeren Abständen statt, bei der praxeologisch-rekonstruktiv orientierte Forschungsprojekte mit fremdsprachendidaktischem Bezug diskutiert und gewürdigt werden können.

Call for Papers: Fachtagung 2020

Für die zweite Fachtagung am 25. und 26. Juni 2020 in Marburg werden Beiträge zu den folgenden Themen erbeten, unterteilt in methodologische Aspekte sowie die untersuchten Gegenstände (wobei die Beiträge in der Regel beide Kategorien verknüpfen):

1) Grundlagentheoretische Aspekte:

  • (Implizites/explizites) Wissen und Praktiken
  • Korporierte und verbale Praktiken der Verständigung
  • Common Sense und konjunktives Erfahrungswissen
  • Typus und Habitus
  • Normen des Fremdsprachenunterrichts
  • Differenzkonstruktion
  • Identitätskonstruktion

2) Gegenstandstheoretische Aspekte:

  • Lehrende und Professionalität
  • Lernende
  • Die (Fremdheit der) Sprachen
  • Diskurse und Interaktion
  • Themen, Texte, Medien
  • Lehr- und Lernmethoden
  • Kompetenzen und Kompetenzentwicklung

Für die Vorstellungen der Projekte stehen 75 bis 90 Minuten zur Verfügung: Den Präsentierenden steht frei, ob sie einen umfangreicheren Vortrag mit Diskussionsrunde einbringen oder nur einen kurzen Input liefern, um dann gemeinsam mit den anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern an vorliegenden Daten zu arbeiten. (Daten sollten in jedem Fall bereits vorliegen und zumindest auszugsweise mitgebracht werden.)

Frist zum Einreichen eines Vorschlags mit maximal 2.000 Zeichen (zzgl. Literatur): 31. Januar 2020.

Einreichungen bitte richten an: rff@uni-tuebingen.de


Literaturangaben

Bohnsack, R. (92014): Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in qualitative Methoden. Stuttgart: UTB.

Bohnsack, R. (2017): Praxeologische Wissenssoziologie. Opladen & Toronto: Barbara Budrich.

Bonnet, A. (2012): Von der Rekonstruktion zur Integration – Wissenssoziologie und Dokumentarische Methode in der Fremdsprachenforschung. In: Doff, Sabine (Hrsg.), Fremdsprachenunterricht empirisch beforschen. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Tübingen: Narr. 286-305.

Caspari, D., Klippel, F., Legutke, M., Schramm, K. (Hrsg.) (2016): Forschungsmethoden in der Fremdsprachendidaktik. Ein Handbuch. Tübingen: Narr.

Doff, S. (Hrsg.) (2012): Fremdsprachenunterricht empirisch beforschen. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Tübingen: Narr.

Schatzki, T. R. & Knorr Centina, K. & von Savigny, E. (Hrsg.) (2001): The Practice Turn in Contemporary Theory. London, New York: Routledge.

Tesch, B. (2019): Sinnkonstruktionen im Fremdsprachenunterricht. Einführung in die Rekonstruktive Fremd­sprachen­forschung mit der Dokumentarischen Methode. Frankfurt am Main: Peter Lang.